Evangelische Kirche im westlichen Ringgebiet
 
St. Michaelis St. Martini Auferstehungskirche  Gartenstadt Ulrich Böß Hugo-Luther-Straße 60 A 38 118 BRAUNSCHWEIG Telefon: 0 531/ 8 28 29 Fax 0 531/ 8 86 19 32 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!         Braunschweig, 13/12/2017
 
Arbeit mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen im westlichen Ringgebiet
 
Ein Überblick über Aktivitäten und Entwicklungen im Jahr 2017
 
Sehr geehrte Damen und Herren, Sie haben sich für unsere Arbeit im westlichen Ringgebiet interessiert, haben uns finanziell unterstützt oder fördern uns. Sie setzen sich für die Belange von benachteiligten Kindern und Jugendlichen in dieser Stadt und besonders im westlichen Ringgebiet ein. Sie stehen und standen uns beratend und ermutigend zur Seite. Für diese Unterstützung danken wir ganz herzlich und wollen Sie über die Entwicklungen des vergangenen Jahres und natürlich auch darüber, wie und wo finanzielle Förderung eingesetzt worden ist, informieren. 
 
Mittagstisch, Hausaufgabenhilfen und Förderangebote in der Realschule Sidonienstraße an 3 Tagen in der Woche – montags bis mittwochs
 
Seit 2009 findet unser Mittagstischangebot in den Räumen der Realschule Sidonienstraße statt. Mit der Pausenhalle und der Möglichkeit, eine kleine Küche zu nutzen, stehen uns dort gut geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung.  Für Hausaufgaben- und Förderangebote können Unterrichts- und Funktionsräume im benötigten Umfang problemlos genutzt werden.  Die Zusammenarbeit mit dem Kollegium und der Schulleitung ist sehr gut – es ist ein vertrauensvolles Miteinander. Es gibt regelmäßige Kontakte, Austausch über die Lern- und Fördersituation bei einzelnen Kindern und bei Bedarf die Möglichkeit, an Konferenzen und Besprechungen teilzunehmen.  Alle Mitarbeitenden des Mittagstisches und der Hausaufgabenhilfen werden nach Kräften unterstützt. Die Arbeit wird als gemeinsames Anliegen gesehen und als eine Bereicherung für Schülerinnen, Schüler und die Schule insgesamt verstanden.  Unser Angebot richtet sich weiterhin an Schülerinnen und Schüler des 5. und 6. Schuljahrgangs aus benachteiligten Familien. Die Schulleitung informiert schon bei der Schulanmeldung betroffene Eltern. Zu Beginn eines jeden Schuljahres gibt es eine Anmeldung mit Anschreiben für die jeweiligen Jahrgänge. In besonderen Fällen können auch ältere Schülerinnen und Schüler am Essen teilnehmen.
 
Die soziale Struktur des Stadtteils bildet sich auch bei den Schülerinnen und Schülern ab und hat sich trotz positiver Entwicklungen in den vergangenen Jahr kaum verändert. Ich glaube, die Realschule ist ein guter Ort für unser Engagement, da wir hier mit einer Schulform zusammenarbeiten, die wenig im Focus öffentlicher Wahrnehmung steht und an der es ohne besondere Bemühungen von Schulleitung und Kooperationspartnern kaum zusätzliche sozialpädagogische und fördernde Angebote gäbe. Andere Schulformen sind deutlich besser ausgestattet.
Ev. Kirchengemeinden, Hugo-Luther-Str. 60 A, 38118 Braunschweig
 
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Außerdem gehen wir davon aus, hier auf Kinder und Familien zu treffen, die durch den Besuch der Realschule aus eigener Initiative versuchen wollen, Zukunftsperspektiven zu verbessern. So ein Ansinnen möchten wir mit unserer Arbeit gerne unterstützen.
 
Von den Schülerinnen und Schülern der Sprachlernklassen, die seit einiger Zeit an der Schule eingerichtet worden sind, nehmen einige an Mittagsessen und Förderangeboten teil. Durch Unterbringung und Betreuung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen in Braunschweig hat sich aus unserer Sicht keine entscheidende Veränderung des Schulalltags ergeben.
 
Seit fast 2 Jahren kooperieren wir beim Mittagessen mit der Oswald-Berkhan-Schule für geistige Entwicklung. Schülerinnen und Schüler von zwei Klassen dieser Schule, die auch in ähnlichem Alter der übrigen „Mittagstischkinder“ sind, nehmen am Mittagessen teil. Diese Begegnung und dieses Miteinander haben sich sehr bewährt – es stellt aus unserer Sicht ein Stück „praktizierter Inklusion“ dar. Wir freuen uns sehr darüber.
 
So versorgen wir jetzt an den 3 Tagen ca. 50 Kinder mit Mittagessen, Hausaufgaben- und Förderangeboten sowie kleinen begleitenden Aktivitäten. Dieses Angebot so an 3 aufeinander folgenden Wochentagen durchzuführen, hat sich bewährt. Ebenso die Kooperation mit der „Buddy-AG“. Anliegen dieser AG ist, dass sich ältere Schüler für die Belange von jüngeren engagieren. Diese AG organisiert an den Dienstagen das Hausaufgaben- und Förderangebot. Das ist nicht nur für beide Seiten pädagogisch sinnvoll, sondern kommt auch uns als Träger des Angebotes sehr entgegen, denn unsere Mitarbeitenden wären nicht in der Lage, drei Tage Begleitung zu gewährleisten.
 
Wir halten weiterhin unser Hausaufgabenhilfe- und Förderangebot für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen aufrecht. Montags und mittwochs stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für individuelle- oder Kleingruppenförderung zur Verfügung. Durch unseren engen Kontakt zum Kollegium ist es möglich, gezielte Unterstützungen anzubieten. Weiterhin ist uns aber wichtig, kein Bestandteil von Schule zu sein. Alle Angebote sind (zwar nach Anmeldung, um Essen kalkulieren und Mitarbeiterzahl festlegen zu können) freiwillig und stellen keine Erweiterung des originär schulischen Angebotes dar.
 
4 Mitarbeiterinnen und ein pensionierter Gymnasiallehrer – Mathematik/ Physik – arbeiten regelmäßig ehrenamtlich mit. Sie erhalten einen Aufwandsersatz in Höhe von € 9,00/ Stunde. Außerdem ist ein junger Mann im Freiwilligen Sozialen Jahr im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet im Einsatz.  Der Gesamtaufwand für das Projekt betrug im Jahr 2017 ca. € 18.000,00.
 
Nachhaltige Hausaufgabenhilfen und Einzelförderung 
 
Seit mehr als 10 Jahren fördert Rotary BS Hanse ein kooperatives Projekt von Kinder- und Familienzentrum Schwedenheim, Spielstube Hebbelstraße, AWO Schülergruppenarbeit und der Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet.  In allen vier Einrichtungen wird Unterstützung bei den Hausaufgaben in Gruppen durchgeführt. Wenn einzelne Kinder einen Förderbedarf haben, kann ihnen im Rahmen des Projektes besondere Unterstützung in Einzel- oder Kleingruppen gegeben werden. Für dieses Angebot finanziert Rotary Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Einrichtungen durchschnittlich drei Stunden pro Woche für Einzel-, Kleingruppen oder Spezialförderung im Einsatz sind.
 
In dieser Arbeit hat es im Jahr 2017 eine Veränderung gegeben. Wir, die Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet haben uns mit den Förderangeboten auf die Realschule Sidonienstraße konzentriert. Die drei anderen Einrichtungen werden ihre Arbeit im und für den Stadtteil an ihren Standorten fortsetzen und im Quartierszentrum Hugo-Luther-Straße besteht ein Hausaufgabenhilfeprojekt des Mütterzentrum/ MehrGenerationenHauses. Damit ist Förderung für Kinder und Jugendliche an verschiedenen Orten im Stadtteil weiterhin sichergestellt.
 
 
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Allgemein ist zu den Förderangeboten zu sagen, dass sich die Situation von Kindern aus schwierigen sozialen Bezügen in den letzten Jahren nicht entscheidend verändert hat.  Auch wenn die Sozialdaten in Deutschland und in der Stadt Braunschweig im letzten Jahr eine positive Entwicklung aufweisen, profitieren gerade diejenigen, die schon lange in prekären Lebensverhältnissen stecken, kaum. Vielmehr erfahren sie – und auch wir als Akteure im Stadtteil – dass die Schere zwischen denen, die mehr haben, als sie brauchen und denen, die oft mit zu Wenigem auskommen müssen, sich immer weiter öffnet. In Braunschweig ist eine Entwicklung erkennbar, dass die „sozialen Brennpunkte“ erhalten bleiben. Es liegt vermutlich auch an der schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt. Davon sind Menschen mit geringem Einkommen besonders betroffen. Wir sehen also insgesamt durchaus positive gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, werden aber weiterhin mit vielen Herausforderungen für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen im westlichen Ringgebiet umgehen müssen.
 
Aus diesen Gründen sind wir bemüht, für Kinder unseres Stadtteils Unterstützung zu organisieren. Mit unseren Angeboten und Ihrer finanziellen Förderung versuchen wir, dort anzusetzen, wo der normale Schulunterricht nicht ausreicht, das Klassenziel bzw. das gestellte Unterrichtsziel zu erreichen und eine häusliche Förderung nicht oder nicht ausreichend vorhanden ist.  Für all unsere Arbeit ist es eine dauerhafte Erkenntnis: neben Üben und Lernen ist die regelmäßige, persönliche und vertrauensvolle Zuwendung durch die Mitarbeitenden in den Projekten von ganz großer Bedeutung. Viele Kinder und Jugendliche leben nicht nur in materiell prekären Verhältnissen, sondern oft sind wechselnde Familien- und Betreuungskonstellationen eine zusätzliche Belastung.
 
Sommerferienaktion  Auch 2017 wurde wieder ein offenes Ferienangebot für Kinder in Kooperation mehrerer Einrichtungen des westlichen Ringgebietes auf dem Spielplatz an der Arndtstraße durchgeführt: Jugendzentrum Drachenflug, Mütterzentrum/ MehrGenerationenHaus, Stadtteilbüro plankontor, VfB Rotweiß mit dem Projekt „Lebenschancen durch Sport“, Familienzentrum Schwedenheim, Kulturinstitut der Stadt Braunschweig mit der Abtlg. Literatur und Musik, Spielstube Hebbelstraße, Jugendzentrum Rüningen, Nähwerkstatt Flickwerk, Garten ohne Grenzen, Aktion Kunstkoffer, Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet sowie eine Reihe von Ehrenamtlichen aus dem Stadtteil waren aktiv beteiligt. Wir haben ausschließlich offene Angebote ohne Anmeldung und ohne Erhebung von Teilnahmegebühren durchgeführt. Alle Einrichtungen beteiligten sich mit hohem Aufwand an Material, Finanzen und Mitarbeit. Ohne die bemerkenswerte Kooperation und ohne zusätzliche Fördermittel ließe sich diese Maßnahme so nicht durchführen. 
 
Ein großer Teil der Kinder die teilnahmen, hatte keine Möglichkeit, mit Familie oder einer Gruppe zu verreisen. Durch FiBS-Angebote im Stadtteil war eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in den Sommerferien möglich. Im Anschluss an das Ferienprogramm auf dem Spielplatz konnten die Kinder bis zum Ende der Ferien das Jugendzentrum Drachenflug oder die Spielstube Hebbelstraße besuchen. Es gab täglich auf dem Spielplatz: ein kostenfreies und gesundes Verpflegungsangebot, ausreichend Getränke, besonders an heißen Tagen, unterschiedliche kreative und entspannende Aktivitäten, die auch in diesem Jahr sehr intensiv genutzt worden sind. Außerdem wurden wieder sportliche und aktivierende Angebote in Kooperation mit dem VfB Rot-Weiß, Projekt „Lebenschancen durch Sport“ und von einer unserer Mitarbeiterinnen gemacht. 
 
Besondere Höhepunkte waren die Kletterwand der Jugendförderung Braunschweig, eine Basketballaktion, ein Trommelworkshop und viele kreative, sportliche und spielerische Angebote. Eine Besonderheit unseres Ferienprogramms ist, dass wir auch regelmäßig Eltern, meist Mütter mit jüngeren Geschwistern der Kinder zu Besuch haben, dass auch ältere Geschwisterkinder kommen und eine nicht unerhebliche Zahl von Erwachsenen aus der direkten Umgebung vorbeischauen und z.T. auch während des ganzen Nachmittags dabei sind. Wir, alle beteiligten Einrichtungen, gehen davon aus, dass die Kooperation bei FiBS auch ein gutes Signal nach außen ist. Mit Zusammenarbeit kann man mehr erreichen und den Bewohnerinnen und Bewohnern zeigen, dass es ein gemeinsames Bemühen für unseren Stadtteil gibt.
 
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Finanzen
 
Der finanzielle Gesamtaufwand für die beschriebenen Maßnahmen lag im vergangenen Jahr bei ca. € 25.000,00. Die Aktivitäten mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen werden überwiegend aus Spenden und Mitteln von Stiftungen finanziert. Für die Ferienaktion gab es in geringem Umfang Teilnehmerbeiträge, Fördergelder der Stadt Braunschweig, Förderung durch die Braunschweiger Stiftung Kleiderversorgung sowie aus Mitteln des Verfügungsfonds für das westliche Ringgebiet.   Besonders muss hier eine Großspende des Möbelhauses IKEA in Braunschweig und eine IKEAMitarbeiterspende erwähnt werden. Mit über € 14.000,00 kann das Mittagstischprojekt bis zum Ende des Schuljahrs 2017/ 18 durchgeführt werden. Neben dieser großen Zuwendung erhalten wir regelmäßige monatliche Spenden für den Mittagstisch sowie immer wieder auch Einzelspenden und Kollekten. Die nachhaltige Schülerinnen- und Schülerförderung im Stadtteil wurde und wird von Rotary BS Hanse getragen und finanziert.
 
Als hauptamtlicher Mitarbeiter der Ev. Landeskirche Braunschweig ist es mir wichtig zu schreiben, dass meine Personalkosten von keiner Stelle bezuschusst werden, sondern ein Beitrag von Landeskirche, Propstei und Kirchengemeinden zur Koordinierung und Begleitung all dieser Projekte darstellt. Außerdem wird ein nicht unerheblicher Teil der Verwaltungsarbeit, die ich/ wir vor Ort nicht in der Lage wären zu leisten, im Ev. Kirchenverband unentgeltlich für uns erledigt.
 
Im Namen der Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet, im Namen aller Mitarbeitenden, der Schulen und Einrichtungen sowie im Namen der Kinder, Jugendlichen und ihrer Eltern danke ich für alle Förderung und Unterstützung, die uns in die Lage versetzt, diese Arbeit im Stadtteil durchzuführen. Ich halte den Einsatz weiterhin für notwendig. Wir wollen Missstände nicht nur benennen, sondern aktiv an Veränderungen mitarbeiten. So verstehen wir unseren kirchlichen und diakonischen Auftrag.  Auf Dauer wünschen wir natürlich nachhaltige Veränderungen dahingehend, dass alle Kinder und Jugendlichen in einem Gemeinwesen aufwachsen können, in dem die ausreichende Versorgung mit Essen in der Schule sowie der Zugang zu erforderlichen Unterstützungs- und Fördermaßnahmen ausreichend zur Verfügung steht. Diese Grundpfeiler für Bildung, Entwicklung und Sicherung von Zukunftsperspektiven sollten auch im gesellschaftlichen Interesse errichtet werden. Alle Gelder, die in präventive Maßnahmen investiert werden, wirken sich nach vielen vorgelegten Untersuchungen am Ende auch finanziell positiv aus. Diese politische Herausforderung sollten wir immer im Blick behalten.
 
Braunschweig, im Dezember 2017        Ulli Böß